Profile schärfen, Impulse geben

08.07.2010 | Bonn
Paket der Pakte, Flexibilisierung des Förderprogramms, Highlights der Forschung: DFG-Jahresbericht 2009 stellt strategische Neuerungen und beispielhafte Projekte vor

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, braucht auch die Wissenschaftslandschaft eine klare Profilbildung und -schärfung und immer wieder neue Impulse. Wie sehr die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sich diesem Grundsatz verpflichtet fühlt, zeigt auf rund 300 Seiten der neue Jahresbericht von Deutschlands zentraler Forschungsförderorganisation, den die DFG am Donnerstag, dem 8. Juli 2010, auf ihrer Jahrespressekonferenz in Berlin vorstellte.

Erstmals nach dem neuen Corporate Design der DFG gestaltet, präsentiert der Jahresbericht 2009 in gleicher Weise die strategischen Aktivitäten und Neuerungen in der Ausrichtung der Förderorganisation und beispielhafte geförderte Forschungsprojekte.

In strategischer Hinsicht war 2009 ein "äußerst reges und spannendes Jahr", wie DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner in seinem Vorwort betont, "für die Universitäten, die Forschungsinstitutionen und auch für die DFG". Herausragend war dabei die Entscheidung von Bund und Ländern, die Exzellenzinitiative, den Pakt für Forschung und Innovation sowie den Hochschulpakt fortzuführen und finanziell aufzustocken. Bis 2018 sollen rund 18 Milliarden Euro in das "Paket der Pakte" investiert werden, etwa fünf Milliarden davon fließen über die DFG in die Grundlagenforschung. Der Pakt für Forschung und Innovation sichert der DFG pro Jahr einen fünfprozentigen Etatzuwachs zu, der Hochschulpakt garantiert die Programmpauschale für indirekte Ausgaben von DFG-Projekten. Dank der "Exzellenzvereinbarung II" kann der Wettbewerb um Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und Zukunftskonzepte fortgesetzt werden, der die Spitzenforschung in Deutschland sowie die Profilbildung der Universitäten weiter vorantreiben soll.

Auch das Profil ihres eigenen Portfolios suchte die DFG 2009 neuerlich zu schärfen. "Flexibilisierung" und "Vereinfachung" lauteten hier die Leitbegriffe. So können nun auch projektbezogene Betriebs- und Folgekosten von Großgeräten von der DFG finanziert und in Graduiertenkollegs in allen Fächern Doktorandenstellen statt Stipendien beantragt werden, um den Nachwuchs in der Wissenschaft zu halten. Zudem können ab sofort statt konkreter Stellen Geldsummen bewilligt werden, deren stellenbezogener Einsatz den Hochschulen vor Ort überlassen bleibt.

Neue Profile und Impulse brauchen und erbringen aber auch die traditionsreichsten Fächer der Wissenschaft. Dies galt 2009 besonders für die Biologie und deren neues Feld der Synthetischen Biologie, die "biologische Systeme" schafft oder nachbaut, um beispielsweise lebende Organismen mit neuartigen Eigenschaften zu versehen. Durch weiterentwickelte gentechnische Methoden und unter Einbeziehung ingenieurwissenschaftlicher Prinzipien sollen so neue Impfstoffe und Medikamente, aber auch Kraftstoffe und Neue Materialien entstehen. Für Erfolg und Akzeptanz der neuen Technologie ist ein frühzeitiger Dialog mit der Öffentlichkeit entscheidend. Dazu publizierte die DFG 2009 mit acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, sowie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ein gemeinsames Papier. In ihm werden ausgewählte Forschungsfelder vorgestellt, aber auch Herausforderungen, Sicherheitsfragen und nicht zuletzt ethische Aspekte der Synthetischen Biologie diskutiert.

Wie vielfältig die DFG-geförderte Forschung auch 2009 war und auf welch hohem Niveau sie sich abspielte, zeigt der Jahresbericht in journalistisch geschriebenen Beiträgen anhand beispielhafter Projekte aus allen Wissenschaftsbereichen. Das Spektrum reicht dabei von der Klima- und Energieforschung in den Naturwissenschaften bis zur ersten Langzeitstudie zum Wählerverhalten in Deutschland im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften. In den Lebenswissenschaften spannen die vorgestellten Projekte den Bogen "vom Molekül bis zum Ökosystem", in den Ingenieurwissenschaften machen sie die "Welt der kleinsten Dinge" anschaulich. Weitere Beiträge gelten den Förderfeldern "Wissenschaftliche Geräte und Informationstechnik" sowie "Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme". Die wichtigsten Aktivitäten zur Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden ebenso vorgestellt wie die in der internationalen Zusammenarbeit und in der Wissenschaftskommunikation. Ein Interview mit DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek beleuchtet schließlich die Perspektiven des Wissenschaftsmanagements, das auch für die Forschungsförderung immer wichtiger wird.

Zahlen und Fakten 2009

Traditionsgemäß stellt der Jahresbericht auch die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Förder-handeln zusammen. Die Einnahmen der DFG beliefen sich demnach 2009 auf 2,186 Milliarden Euro. Davon kamen 66,2 Prozent vom Bund, 33,5 Prozent von den Ländern und 0,3 Prozent aus Stiftungen und privaten Zuwendungen.

In den Förderverfahren wurden 17 304 Forschungsprojekte bewilligt. Die Bewilligungssumme lag bei 2,739 Milliarden Euro (inklusive Fördermitteln, die sich über mehrere Jahre verteilen). Davon wurden 983,2 Millionen Euro in der Einzelförderung bewilligt. Auf die Koordinierten Programme entfielen 1,502 Milliarden Euro, davon unter anderem 529,4 Millionen Euro für 261 Sonderforschungsbereiche, 127,8 Millionen Euro für 258 Graduiertenkollegs, 218,5 Millionen Euro für 113 Schwerpunktprogramme, 173,9 Millionen Euro für 246 Forschergruppen (inklusive Klinische Forschergruppen) und 39,2 Millionen Euro für sechs DFG-Forschungszentren. In den Programmen der Exzellenzinitiative wurden 413,2 Millionen Euro bewilligt.

Nach Wissenschaftsbereichen verteilte sich die Bewilligungssumme zu 38,8 Prozent auf die Lebenswissenschaften, zu 24,3 Prozent auf die Naturwissenschaften, zu 21,3 Prozent auf die Ingenieurwissenschaften und zu 15,6 Prozent auf die Geistes- und Sozialwissenschaften.

Quelle: Pressemeldung Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V.

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