Internationaler Tag der Biodiversität - Reden allein bringt nichts

21.05.2010 | Berlin
Zum internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai erklärt Undine Kurth, Parlamentarische Geschäftsführerin und Sprecherin für Naturschutzpolitik:

Der internationale Tag der biologischen Vielfalt bietet ein weiteres Mal wenig Anlass zum Feiern. Mitten im UN-Jahr der Biodiversität 2010 und nach fast zwei Jahren des deutschen Vorsitzes in der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) müssen wir feststellen, dass das Artensterben, der Verlust an Lebensräumen und die Verarmung der genetischen Vielfalt ungebremst voranschreiten. Noch schlimmer: Alle Ziele, den Verlust der Biodiversität bis 2010 zu stoppen oder zumindest einzudämmen, wurden krachend verfehlt. Weltweit werden Wälder nach wie vor gerodet, um Platz für Weideland, Soja- oder Palmölplantagen zu schaffen, kurz: um unseren Lebensstil hier zu ermöglichen. Die Meere werden vermüllt; die Kulturlandschaften sind geprägt durch Verschmutzung, Übernutzung und Zerschneidung.

Der diesjährige Tag der biologischen Vielfalt steht unter dem Motto "Armutsbekämpfung und Entwicklung". Hätte die Bundesregierung den Vorsitz in der CBD ernst genommen, könnten wir in diesem Bereich heute die notwendigen Erfolge feiern, denn es galt, ein international verbindliches Abkommen gegen Biopiraterie auf den Weg zu bringen, neue Finanzierungsinstrumente für den Schutz der Natur zu schaffen und Haftungsregeln für den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen zu vereinbaren. Für die Bevölkerung in Entwicklungsländern wären dies wichtige Schritte der Armutsbekämpfung und Einkommenssicherung gewesen. Aber die Bundesregierung ist hat ihre Verantwortung nicht wahrgenommen.

Auch vor Ort hat die Bundesregierung ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt droht ein Papiertiger zu bleiben, wenn die Verankerung als Querschnittsaufgabe nicht auch in anderen Ressorts gelingt. Unsere Agrarlandschaft verarmt zusehends, weitere unsinnige Verkehrstrassen sollen unsere ohnehin stark zerschnittenen Landschaften weiter fragmentieren. Fortschritte bei der Senkung des enormen Flächenverbrauchs in Deutschland sind nicht zu verzeichnen. Lange Listen bedrohter Arten und Lebensräume sind die Folge.

Der Biodiversitätsverlust stellt eine globale Krise dar, die den Wirtschafts- und Finanzkrisen in nichts nachsteht. Wir fordern die Bundesregierung auf, durch konsequente Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie endlich mit gutem Beispiel voranzuschreiten. Die Präsidentschaft der CBD muss mit größeren Ambitionen gegen Biopiraterie, mit zusätzlichen Finanzierungsinstrumenten und mit verbindlichen Zielen für die Zeit nach 2010 zu Ende gebracht werden.

Quelle: Pressemeldung Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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