Gentechnikfreie Regionen behindern Bioökonomie

25.05.2011 | Frankfurt am Main
Die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) kritisiert die geplante Einführung sogenannter "gentechnikfreier" Regionen, wie sie die aktuellen Koalitionsverträge in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie die Planungen der EU-Kommission vorsehen.

Der DIB-Vorsitzende Dr. Stefan Marcinowski sagte auf der Jahrespressekonferenz der Organisation in Frankfurt: "Die von der Bundesregierung angestrebte Bioökonomie wird in vielfacher Beziehung ein Wunschtraum bleiben, wenn das Innovationsfeld Pflanze weiterhin aus politischen und ideologischen Motiven blockiert wird." Landwirte sollten weiterhin aufgrund ihrer Erfahrung selbst entscheiden können, welche Pflanzensorten sie in welcher Form anbauen. "Nur so kann gewährleistet werden, dass echte Wahlfreiheit anstelle politischer Bevormundung über die Akzeptanz sicherer und behördlich genehmigter Produkte entscheidet", so Marcinowski.

Der DIB-Vorsitzende begrüßte die Haltung der Bundesregierung, sich gegen die Pläne der EU-Kommission zu nationalen Anbauzulassungen zu wenden. Er sagte: "Der Vorschlag der EU-Kommission schafft einen Präzedenzfall, nach dem die EU-Mitgliedstaaten in ihren Grenzen nur aufgrund gefühlter Risiken und populistischer Gründe jede Technologie und ihre Produkte verbieten könnten." Positive Sicherheitsbewertungen durch EU- oder nationale Behörden würden keine Rolle mehr spielen. Marcinowski forderte die Bundesregierung auf, sich gegen jegliche regionale Anbauverbote auszusprechen, die ausschließlich ideologisch und politisch motiviert sind.

"Wer Bioökonomie will und fordert, muss eine schlüssige Antwort auf die entscheidende Frage parat haben: Wie schaffen wir es, bei gleichbleibender Fläche die Produktivität zu erhöhen?", so der DIB-Vorsitzende. Die Lösung müsse lauten: mehr Ertrag mit weniger Fläche und Betriebsmitteln. Ohne Innovationen in Düngung, Pflanzenschutz, klassischer und moderner Pflanzenzüchtung werde dieses Ziel nicht zu realisieren sein.

Die Bundesregierung sieht ein großes wirtschaftliches Potential in biologischen Ressourcen und hatte deshalb Ende vergangenen Jahres die nationale Forschungsstrategie Bioökonomie 2030 formuliert. Dadurch sollen die Möglichkeiten für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion, die Bereitstellung alternativer Energieträger und die Versorgung der Industrie mit nachwachsenden Rohstoffen verbessert werden. Marcinowski sagte: "Für einen ganzheitlichen Ansatz der Bioökonomie müssen alle Erfolgsfaktoren miteinander verknüpft werden." Eine Nation, deren Wohlstand wesentlich auf technischem Fortschritt beruhe, sei gut beraten, Innovationen eine Chance zu geben.

Quelle: Pressemeldung Verband der Chemischen Industrie e.V.

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