Die Ampel ist weiterhin keine Option für die Lebensmittelwirtschaft
Die Absage der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) an die Ampel macht die Auffassung der Ernährungswissenschaft deutlich. Deshalb ist sie keine Option für die gesamte Lebensmittelwirtschaft, auch wenn einzelne Hersteller Produkte künftig mit einer Ampel versehen sollten. Die Lebensmittelwirtschaft steht gemeinsam weiter zu einer sachlichen und objektiven Nährwertinformation und erteilt der subjektiven Bewertung durch Markierungen in rot, gelb und grün eine Absage.
Die Ampel wird in der gesamten EU grundsätzlich ablehnend betrachtet. Nur einige wenige Hersteller bzw. Händler haben sich in Großbritannien abweichend für eine solche Farbkennzeichnung entschieden. Anhaltende Veränderungen im Kaufverhalten oder gar ein Einfluss der Ampel auf das Ernährungsverhalten der Verbraucher sind nicht ersichtlich.
Das gemeinsame Ziel von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verbraucherverbänden muss es sein, Verbraucher zu motivieren, die angebotenen Informationen auch tatsächlich zu nutzen. Es bedarf eines besseren Verständnisses von Ernährung und der angebotenen Nährwertinformationen sowie deren Bedeutung für die individuelle Kaufentscheidung. Information, Motivation und selbstständige Entscheidung müssen die Richtung vorgeben. Voraussetzung dafür wäre aber, dass endlich mit der fruchtlosen Ampeldebatte und der dadurch ständigen Verunsicherung der Verbraucher Schluss ist. Es darf nicht länger so getan werden, als wäre die Ampel die Lösung aller Probleme.
Die Lebensmittelwirtschaft engagiert sich für ein freiwilliges System zur Nähwertkennzeichnung. Inzwischen tragen schätzungsweise über 80 Prozent aller Lebensmittel Nährwertinformationen. Neben der Kennzeichnung pro 100 Gramm/Milliliter als Tabelle erfolgen zusätzlich Nährwertangaben pro Portion sowie in Bezug auf die so genannten Richtwerte für die Tageszufuhr (GDA - Guideline Daily Amounts). Eine breite Akzeptanz dieses Ansatzes durch die Verbraucher und die Wissenschaft bestätigt die Ernährungsbranche in ihrem Tun. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat das GDA-Modell der Wirtschaft und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in ihrer Anfang Mai veröffentlichten Stellungnahme als mit den allgemeinen Verzehrs- und Ernährungsempfehlungen konsistent und vereinbar unterstützt.
Der eingeschlagene Weg der Lebensmittelwirtschaft in Richtung objektiver Nährwertinformation ist gut und richtig. Das bestätigen die aktuellen Untersuchungen von EUFIC (European Food Information Council) und FLABEL (Food Labelling to Advance Better Education for Life), die dokumentieren, dass Nährwertinformationen auf breiter Basis angeboten und auch verstanden werden, wenn sie aktiv genutzt werden. Dass sie von deutlich mehr Verbrauchern angewendet und dann mitbestimmend für deren Kaufentscheidung werden, ist die nächste und weitaus größere Herausforderung, der sich deshalb auch alle Beteiligten gemeinsam stellen müssen.
Zweck der Diskussion um die Kennzeichnung darf nicht das Erreichen von Aufmerksamkeit in den Medien sein. Die Aussagen der Wissenschaft müssen gelten. Nur oberflächlich betrachtet erscheint die Bewertung der Lebensmittel nach dem Ampelsystem einleuchtend. Die Irreführung dieses Systems wird bei näherer Beleuchtung deutlich: Ein System, das den Wert eines Lebensmittels nicht abbilden kann und außer Acht lässt, dass Lebensmittel von Natur aus eine Kombination von "rot, gelb und grün" sind, gibt falsche Signale. Eine gute Ernährung bedeutet immer eine Zusammenstellung verschiedenster Lebensmittel. Ergebnisse einer großen Untersuchung von EUFIC zeigen, dass die Ampel auf Produkten schlicht falsch verstanden wird. Drei Viertel der Verbraucher verstanden "rot" auf Lebensmitteln als Stoppsignal im Sinne von "am besten gar nicht mehr verzehren", auch gelb galt als deutliche Abwertung und damit negativ. Dieses Verständnis würde im Endeffekt zu einer einseitigen Ernährung führen.
Es ist deshalb an der Zeit, diese sinnlose Ampeldebatte, die seit über zwei Jahren andauert, zu beenden.
Quelle: Pressemeldung Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V.
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